„Und jeden Tag steht ein Blöder auf“

Helmut A. Binser begeistert in Margertshausen mit unglaublichen Geschichten und schwarzem Humor (von Marcus Angele)

Margertshausen Es ist schon wieder vier Jahre her, als Helmut A. Binser zum ersten Mal beim Theaterverein in Margertshausen zu Gast war. Nun kam er wieder mit seinem neuen Programm „Bavarian Influencer“ in die Staudengemeinde und sorgte unter anderem mit seinen schier unglaublichen Geschichten aus seinem oberpfälzischen Heimatdorf für fast pausenlose Lachsalven im kleinen Sportheimsaal.

Das neue Bühnenprogramm von Musikkabarettist Helmut A. Binser kam zwar coronabedingt fast zwei Jahre später als geplant, es ist aber ein über zweistündiger Angriff auf die Lachmuskeln pur. Es macht ihm auf der kleinen Bühne sichtlich Spaß und er muss sogar wie beim Lied „Alkoholfreies Bier“ mit dem Publikum, das er immer wieder in seine Geschichten und Lieder einbindet, mitlachen. Für Binser, der eigentlich Martin Schönberger heißt, ist es ein Privileg auf der Bühne zu stehen und so genießt er jeden Auftritt: „Gerade die Coronapause hatte einen ganz speziellen Effekt für mich. Man geht wieder mit viel mehr Freude auf die Bühne und man spürt, wie schön und nicht selbstverständlich es ist, seinen Traumberuf auszuleben“. Der Name „Bavarian Influencer“ kommt eigentlich von seinen sehenswerten kurzen YouTube-Videos, in denen er bayerische Bräuche und Begriffe in einem kuriosen bayerischen Englisch erklärt. Das Bühnenprogramm handelt dagegen von „fast echten“ Geschichten aus seinem Heimatdorf Runding bei Cham, die er gespickt mit Ironie im schönsten oberpfälzischen Dialekt vorträgt. Dabei wechselt er gekonnt innerhalb von Sekunden von liebenswerten Nettigkeiten zu schwärzestem Humor.

Der sympathische immer mit Hut, Brille und in schwarz gekleidete Künstler macht vor nichts halt und versteht es meisterhaft, der Spitze noch einen drauf zu setzen. Die Geschichten beginnen meist recht harmlos. So ging der Pfarrer beim Faschingsumzug im Schottenrock. So weit so gut, aber als Hochwürden dann einen Handstand direkt vor dem Frauenbund machte, eskalierte die Sache. Genauso der Männerausflug nach Hamburg, der ursprünglich zum Modelleisenbahnmuseum führen sollte, der aber dann durch unglückliche Verkettungen über die Reeperbahn in der Kellerbar im Hotel Atlantic endete, wo schließlich Udo Lindenberg mit Udo Jürgens verwechselt wird. Er selbst hat ein Wiesengrundstück mit 25000 Quadratmetern für den sagenhaften Preis von 25000 Euro an einen Investor verkauft. "Jeden Tag steht eben a Blöder auf", sagt der Binser stolz. Am Schluss ist aber er der Blöde, weil auf der Wiese einige teure Bauplätze entstanden, wo jetzt lauter Häuser im typisch-bayerischen Toskana-Stil stehen. Binser erzählt von seinen beiden Katzen, Benedikt und Franziskus, die ihre Hinterlassenschaften bevorzugt im Zen-Garten, der wahrscheinlich so heißt, weil er das zehnfache kostet, des ungeliebten Nachbarn verrichten. Herrlich verrückt mutiert auch die Story über das „kontrollierte“ Abfackeln seines denkmalgeschützten Stadels, das, dank seiner Freunde, zu einem wahren Dorffest wird. Sogar der Rettungshubschrauber bekommt hier dann noch seinen Einsatz, da sein Freund Doni mit der Kettensäge wenig „Fingerspitzen“-Gefühl zeigte und selbige dann erst wieder aus der Biotonne zwischen den abgenagten Ripperl herausgesucht werden müssen.

Und in der gleichen Humor-Taktung geht es mit den Vorteilen von großen Nasenlöchern oder Intervallfasten, einem ländlichen Arztbesuch oder dem Zusammenhang von Pflasterpflege und Zahnreinigung fort. Das Publikum ist begeistert und fordert am Ende immer wieder eine Zugabe, die natürlich auch kommt, weil Binser gar nicht von der Bühne geht, sondern sich nur hinter dem schmalen Lautsprecher „versteckt“. Zum Schluss bietet er auch noch eine Wette an, wer ihm das Lied „Überall dahoam“ auswendig vorsingen kann, bekommt 100 Liter Freibier. Allerdings sind hier die Chancen eher bescheiden, da er in seinem Blues rasend schnell alle bisherigen Auftrittsorte aufzählt – und schließlich dann mit Margertshausen das Lied und das Konzert beendet.

Die Coronapause nutzte Binser übrigens, um sich seinen lang gehegten Wunsch - einen Roman zu schreiben - zu erfüllen. In „Flink“, so der Titel, geht es um einen ehemaligen Profifußballer, der seinem Heimatverein zum Aufstieg verhilft. Dazu kommen auch noch einige Dorf- und Liebesgeschichten. Mittlerweile sind es sogar drei Bücher geworden.

 

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