In Margertshausen spukt es im Nachttopf

In diesem Jahr sind die Theaterfreunde Margertshausen gespenstisch unterwegs - oder doch nicht?
(von Marcus Angele, erschienen in der Augsburger Allgemeinen am 03.04.2019 )

Es ranken sich viele Legenden und Mythen um die Rauhnächte. Ob es allerdings auf das Liebesleben viel Auswirkungen hat, wenn man sich nackt in einen Bach stellt und jodelt, ist nicht so genau überliefert. Auf jeden Fall sorgte es für viele Lacher beim diesjährigen Theaterstück „Bodschamperlspuk“ der Margertshauser Theaterfreunde. Der Schwank aus der Feder von Ralph Wallner hat neben viel Klamauk auch rührende Momente und wurde von den Mimen wunderbar umgesetzt.

 

„Es gibt Theaterstücke, da weißt du schon beim ersten Lesen, dass es genau das richtige ist und du gehst dann im Kopf schon durch, wer da was spielen könnte“, erzählt Theaterleiter und Regisseur Christian Eller kurz vor der Aufführung. Ihm und seiner Regiekollegin Marlene Schmid gelang es dabei wieder vorzüglich, die Rollen zu besetzen und man spürt direkt die Spielfreude der acht Akteure, die sich von der ersten Minute an auf das Publikum überträgt. Auch das Bühnenbild des fast zerfallenen Hauses ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet und mit einigen raffinierten Effekten ausgestattet worden. So beginnt das Stück auch mit unheimlich pfeifendem Wind und quietschenden Türen.

Der Dusterhof steht seit fast 40 Jahren leer und im Dorf grassieren unheimliche Geschichten, seit die Bewohner damals in einer Rauhnacht verschwanden. Außerdem soll es dort spuken. Trotzdem ist der Hof an diesem Abend sehr gut frequentiert - allerdings mit sehr unterschiedlichen Interessen der Besucher. So nehmen die beiden Landstreicher und Taschendiebe Jockl und Bartl den Hof als Übernachtungslager in Anspruch. Hier zeigen Stephan Eller und Theaterurgestein Erich Zaha in den beiden Hauptrollen eine wirklich hervorragende schauspielerische Leistung und eine tolle Bühnenpräsenz. Gleiches gilt auch für Anna Geh und Nadine Gebele, die in ihren Rollen als Giggi und Mina regelrecht aufblühen. Mina und ihre lasterbehaftete Freundin Giggi planen auf dem eigentlich einsamen Hof eine Wunschzettel-Geisterbeschwörung. Denn in der Zeit der Rauhnächte sollen Wünsche, die man in einem magischen Gefäß deponiert, in Erfüllung gehen. Aber auch Braumeister Beppo (Gottfried Biber) und die resolute Sonnhoferin (Johanna Holl) haben ihr jeweils eigenes finanzielles Interesse am leer stehenden Dusterhof. Der Meister der Gesichtsmimik ist aber Peter Schmid, der den ultra-naiven und sehr langsam denkenden Brauereiarbeiter Tschacko grandios verkörpert. Tschacko ist ebenfalls auf Partnersuche und mit seiner unterbelichteten Art möchte er ausgerechnet bei der intellektuellen Dorflehrerin Adelheid (Simone Frank) landen. So entwickelt sich in den drei Akten eine äußerst kurzweilige und heitere Story mit einigen doppeldeutigen Anspielungen, die das Publikum immer wieder zu Lachsalven hinreißt.

Der letzte Akt spielt schließlich ein Jahr später und sorgt sogar für sehr rührende und ernste Momente. Ob es die angeblichen Geister auf dem Dusterhof mit den Protagonisten letztendlich gut meinen, wo die Liebe hinfällt und was mit dem Hof passiert, das wird hier natürlich nicht verraten.

Nach fast drei Stunden guter Unterhaltung fällt der Applaus im rappelvollen Vereinsheim für die Theaterfreunde Margertshausen verdientermaßen groß aus. Alle zehn Veranstaltungen waren übrigens im Vorverkauf in Rekordzeit ausverkauft. Zum Abschied gibt es traditionell noch ein Geschenk für die Gäste – in diesem Jahr etwas Medizin zur Erfüllung persönlicher Wünsche. Und noch was hat das Publikum gelernt: ein Bodschamperl ist ein Nachttopf oder wie es der Langfinger-Jockl nennt: Der Heilige Gral des nächtlichen Harndrangs.